Bieberer Ausbeutemedaille 1748
Als bedeutsamer Höhepunkt in der Geschichte des Biebergemünder Ortsteils Bieber wurde im Jahre 1994 die fünfhundertjährige Wiederkehr der Ersterwähnung des Bieberer Bergbaus in 1494 würdig begangen. Nachdem in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf Initiative der Raiffeisenbank Nordspessart und des ausgezeichneten Kenners der Bergbaugeschichte Ernst- Ludwig Hofmann (+ 1986) drei unterschiedliche Nachprägungen der 48 verschiedenen Bieberer Taler aus 22 Prägejahren, nämlich die Taler von 1754, 1770 und 1789 durch die Firma Heraeus herausgegeben wurden, so erschien aus gegebenem Anlaß eine für die Medaillenkunst des 18. Jahrhunderts sorgfältig gearbeitete Medaille mit interessanten Details aus dem Jahr 1748. Vorderseite (Avers): Die Prägung zeigt das barocke Brustbild des Landgrafen Wilhelm VIII . (1682 - 1760) von Hessen-Kassel nach rechts mit einer langen Allongeperücke, Halsbinde, Prunkharnisch. Hermelin und umgehängtem Band des Polnischen Adlerordens. Am Armabschnitt Signatur J C H in Kurrentschrift und die Umschrift:
WILHELM D (ei) G (ratia = von Gottes Gnaden) HASSIAR (um) PRINC (eps =Fürst) ET GVBERN (ator = Stadthalter) COM (es = Graf) HANOVIAE

Rückseite (Revers): Inmitten des stürmischen Meeres erhebt sich auf einer Felsklippe, vor dem sich ein Walroß befindet, ein leuchtturmartiger mit dem gekrönten hessischen Löwen belegter Obelisk als Sinnbild der tragenden Kraft und der Wahlspruch:
RECTUS ET IMMOTUS (rechtschaffen und standhaft)
Wilhelm regierte seit 1730 als Stadthalter seines Bruders Friedrich I ., der durch seine Heirat mit Ulrike Eleonore, einer Tochter des Schwedenkönigs Karl XI . und Schwester des 1718 gefallenen Königs Karl XII ., am 15 . April 1720 von den schwedischen Reichsständen zum König gewählt worden war. Zugleich war er Graf von Hanau, da die Grafschaft, zu der die Stadt Hanau und das weitgestreute Grafschaftsgebiet gehörte, nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen Johann Reinhard 1736 durch Erbvertrag an das Kasseler Haus gelangt war. Die außergewöhnliche Medaille von hoher Porträtkunst dieser sehr seltenen Kasseler Prägung schuf der schweizerischer Medailleur und Stempelschneider Johann Carl Hedlinger (1691 - 1771). Ein Exemplar befindet sich im Besitz der Hanauer Hohen Landesschule und stammt aus der Münzsammlung des fürstlich hessen-hanauischen Steuerrates Jakob Camp (1694 - 1771), die dieser laut Testament vom 4. April 1766 dem Gymnasium vermacht hat. Auf seiner letzten Durchreise nach Schweden hatte Hedlinger 1744 als Vorstudie für diese Medaille das Porträt des Landgrafen nach dem Leben bosiert. 1747, als er in Nürnberg bei Andreas Vestner weilte, setzte der königlich-schwedische Hofintendant die Idee seines Auftraggebers, der eine Säule mit der Legende "RECTA ET IMMOTA" wünschte, um. Er schuf als Symbol auf die Standfestigkeit dieses Regenten einen wappengeschmückten Obelisken, der wie ein Leuchtturm aus einer stürmischen Meeresbrandung emporragt, mit der männlichen Fassung der Legende. Bild und Wort gehen inhaltlich ineinander über.
Bieberer Taler von 1754
Hier eine Nachprägung des Talers

Vorderseite: Brustbild des Landesherrn, Landgraf Wilhelm VIII von Hessen und Graf von Hanau.

Rückseite: Großes Staatswappen der Landgrafschaft Hessen.
Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Biebergemünd e.V.
http://www.geschichtsverein-biebergemuend.de

