"Bekannte Köpfe"

Franz Ludwig von Cancrin (1738 - 1816)

Sohn eines Bergmeisters (Johann Heinrich C.) der 1741 in hessen-hanauische Dienste trat und die Leitung des Bieberer Bergwerkes übernahm. Franz Ludwig ging in Bieber zur Schule, zusätzlich lernte er vom Vater Mathematik und Naturwissenschaften. Auf Befehl des Erbprinzen Wilhelm übernahm der Vater ab 1754 auch die Ausbildung zum Bergwissenschaftsfachmann, zudem Jura- und Mathematikstudium in Jena von 1759 - 1762. Bildungsreise im Bergwesen, dann 1764 Sekretär der Rentkammer in Hanau. Dazu Professor am Gymnasium und an der Militärakademie. Ab 1768 bekam er die Oberaufsicht der Bergwerke zu Bieber, welches Amt er bis 1781 innehatte. 1782 als Kanzleidirektor des Markgrafen von Ansbach im Westerwald, aber schon ab 1788 in Rußland als Nachfolger von Feodor Bauer (der gleichfalls aus Bieber stammte) Berg- und Salinenfachmann in hohen Ämtern. lhm und seinem Vater Johann Heinrich gelang es das Bieberer Berg- und Hüttenwesen zum größten Montanbetrieb des Spessarts zu machen. Seinen zahlreichen Buch - und Zeitschriften - Veröffentlichungen verdanken wir umfangreiche und detaillierte Kenntnisse über das Bieberer Berg- und Hüttenwesen. Sein 1787 erschienenes Buch: "Geschichte und systematische Beschreibung der in der Grafschaft Hanau-Münzenberg, im Amte Bieber....... gelegene Bergwerke " kann man mit Recht als : "Die Bibel des Bieberer Bergbaus" bezeichnen.

Ausführliche Informationen : Biographie des Franz Ludwig Cancrin(us)

 

Georg von Cancrin (* Hanau 1774,  1845 Pawlowsk bei Petersburg)

Eltern und Großeltern waren bedeutende Bergbaufachleute in Bieber. Sein Vater war Hofbeamter in Hanau mit vielen verschiedenen Funktionen, u.a. Architekt in den Anlagen von Wilhelmsbad. Später mußte er aufgrund von Intrigen aus dem Hofdienst ausscheiden und wurde russischer Staatsrat. Sein Sohn Georg blieb damals in Hanau. Vater Franz Ludwig Cancrin kam im Zarenreich zu hohen Ehren, nach seinem Tod 1816 wurde der in Bieber, Hanau und Marburg praktisch und im Studium zum Rechts- und Staatswissenschaftler ausgebildete Georg sein Nachfolger, nachdem er sich zuvor bis 1814 zum "Generalintendanten" der Armee heraufgearbeitet hatte. 1823 - 1844 war er russischer Finanzminister und forderte in diesem Amt aufgrund seiner Lehren und seiner eigenen Erfahrungen das Berg- und Salinenwesen, Forst- und Landwirtschaft, Schafzucht, Weinbau und Seidenraupenhaltung - alles Gebiete, die damals auch in Kurhessen Schwerpunkte der Strukturförderung waren.

Georg von Cancrin : Die Geschichte der russischen Platinmünzen von 1828 bis 1845 (Ein Fachbeitrag von M&P)

 

Johann Christian Leberecht Schmidt (1778 - 1830) 

Geologe und Bergbaufachmann. Zunächst Bergmeister in Bieber, dann Oberdirektor der stummischen Berg- und Hüttenwerke in Neukirchen im Saargebiet, zuletzt Bergrat und Bergamtsdirektor in Siegen. Er machte in Bieber eine gründliche Ausbildung durch und war einer der bedeutendsten Geologen und Lagerstättenkundler seiner Zeit. Er sammelte reiches naturgeschichtliches Datenmaterial, von ihm stammen aber auch wichtige Theorien zur Entstehung der Erzgänge und zum Aufbau des Erdinnern. Seine geologische Karte des Biebergrundes von 1808 ist eine der ältesten geologischen Karten überhaupt und die früheste Darstellung der Gesteinsverhältnisse im Spessart in einem Kartenbild.

 

Hugo Bücking (* 1851 Bieber, 1932 Heidelberg)  

Geologe. Sohn eines Bergwerkbeamten aus Bieber. Nach Gymnasialzeit in Marburg Studium der Naturwissenschaften in Marburg und Leipzig und Assistentenzeit bis zur Habilitation in Straßburg und Berlin. 1881 Professor für Geologie in Kiel, 1883-1918 in Straßburg, dort auch 1907 -1914 Direktor der Geologischen Landesanstalt. Reisen nach Niederländisch-lndien, Griechenland und in den Kaukasus. Zahlreiche petrographischgeologische Arbeiten über Rhön, Spessart, Thüringer Wald und Vogelsberg. "Kaiserlicher Geheimer Bergrat". - Verfaßte 1892 "Der nordwestliche Spessart" und schuf die ersten flächendeckenden geologischen Aufnahmen samt "Erläuterungen zur geologischen Spezialkarte von Preußen und den Thüringischen Staaten" der Blätter Bieber, Gelnhausen, Langenselbold und Lohrhaupten (heute: Wiesen) ab 1892. Sammlungen in Berlin, London und Straßbourg, wohl auch in Marburg/L.

 

Johannes Menge (* 1788 Steinau a. d. Straße, 1852 Forest Creek/Australien)  

Besuchte gemeinsam mit den Brüdern Grimm als Sohn eines Wagners und Schweinehirten die Stadtschule Steinau. Als Knecht auf Hof Hunsrück verdiente er Geld durch Nachhilfestunden. Mineralogie lernte er im Bieberer Bergwerk. Mit 17 Jahren "Aufwärter" bei KARL VON LEONHARD in Hanau in dessen Mineralienhandel, den er zuletzt nach Studienreisen übernahm. Seine Sammelreise nach Island (1819) bezuschußt die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft ( SNG ) , mit der er auch sonst Verbindung hielt. 1918 : Korr. Mitglied. Seine Bieberer Beziehungen kamen ihm zunutze, als er 1825/26 von Cancrins Unterstützung bei einer geologischen Rundreise in Anspruch nahm. Menge lernte Chinesisch, Arabisch und Persisch und übersetzte ins Chinesische. Eine hochdotierte Orientalistikprofessur in Oxford schlug er aus zugunsten einer Geologenstelle für jährlich 200 Pfd. in Australien. Er erkannte den Mineralreichtum Südaustraliens. 1848 gründete er eine Sprachschule, an der er in 13 Sprachen Unterricht erteilen wollte. Er starb im Zelt im Gelände. 

 

Richard Rother (* 8. Mai 1890 in Bieber im Spessart; † 2. November 1980 in Fröhstockheim)

Richard Rother wurde am 08.05.1890 als Sohn eines Gerichtsrats in Bieber (Spessart) geboren, absolvierte das humanistische Gymnasium in Hadamar und besuchte im Anschluß daran von 1907 bis 1910 die Kunstgewerbeschule in Nürnberg. Dort arbeitete er in der Meisterklasse des Bildhauers Prof. Max Heilmeyer und erhielt hier auch seine ersten Unterweisungen im Zeichnen und Modellieren. Mit Hochachtung sprach der Künstler immer von seinem Lehrer "als einem in allen Techniken bewanderten Meister, der seinen Schülern das Wissen und das handwerkliche Können, die Liebe zur Natur, zur Klarheit und Wahrheit in der Kunst weitergab".

Ab 1910 war der mainfränkische Künstler in der Bildhauerklasse von Professor Hermann Hahn an der Akademie in München immatrikuliert, zog es aber nach kurzen Gastspielen vor, in verschiedenen namhaften Ateliers praktisch zu arbeiten und seine beruflichen Kenntnisse zu erweitern. In seinem Buch "Ein Künstlerleben zwischen Wein und Reben" äußert Rother: "Diese Werkstattarbeit ergänzt in geradezu glücklicher Weise meine Ausbildung in Holz, Stein und Stuck. Die Berührungen mit den Anforderungen der Praxis legten den Grund zu umfassenden beruflichen Kenntnissen.Das Handwerk ergab die Voraussetzungen für die so notwendige Einheit zwischen Künstler und Handwerker. Kein Material, das gestalterische Möglichkeiten bietet, blieb mir fremd."

Ausführliche Informationen : Biographie, Richard Rother

Quellen:

Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Biebergemünd e.V.
http://www.geschichtsverein-biebergemuend.de