Die Bedeutung des Waldes für den Bieberer Bergbau

"Es grüne die Tanne, es wachse das Erz, Gott gebe uns allen ein fröhliches Herz"
Dieser in allen Erzbergbaugebieten geläufige Spruch weist auf die enge Veibindung von Wald und Holz zum Bergbau hin. Der Bergbau aber auch vor allem das frühere Hüttenwesen sind ohne Holz undenkbar oder anders ausgedrückt, der Bergbau früherer Zeiten mußte ohne Holz zum Erliegen kommen.
So benötigte man Holz für folgende Zwecke:

  • für den Ausbau und das Absichern von Stollen und Schächten

  • für die Schwellen der Grubenbahnen

  • für den Bau der übertage liegenden Betriebseinrichtungen.

Das meiste Holz wurde allerdings für die Herstellung von Holzkohle benötigt, um die in den Gruben geförderten Erze zu verhütten, d. h. schmelzen zu können. Steinkohle kannte man damals in Bieber noch nicht und so konnten die zum Schmelzen der Erze erforderlichen hohen Temperaturen nur mit Hilfe von Holzkohle erzielt werden. Der Bieberer Bergbau hatte seit 1494, seiner ersten urkundlichen Erwähnung, eine sehr wechselhafte Geschichte gehabt, die insbesondere auch durch wechselnde Eigentumsverhältnisse in Verbindung mit häufigen Schließungen von Teilen der Bieberer Gruben oder auch durch vollständiges Ruhen des Bergbaues gekennzeichnet ist. Lediglich aus der Blütezeit des Bieberer Bergbaues zwischen 1750 und 1780 haben wir dank des damaligen Leiters der Bieberer Berg- und Hüttenwerke, Franz-Ludwig von Cancrin, nicht nur Angaben über den Umfang der Förderung der verschiedenen Erze, sondern auch Angaben zum Holzverbrauch und Überlegungen über eine nachhaltige Holzversorgung. So mußten die Wälder im damaligen Amt Bieber, teilweise auch im Amt Lohrhaupten zunehmend für den Bergbau, Metallverhüttung und -Bearbeitung herhalten. In seiner Abhandlung von 1787 erwähnt v. Cancrin, dass jährlich 13.000 - 16.000 rm Holz allein für die Bieberer Berg- und Hüttenwerke benötigt wurden. Da der Wald natürlich auch von der örtlichen Bevölkerung sehr stark in Anspruch genommen wurde, führte das dazu, dass man sich selbstverständlich Gedanken um die nachhaltige Holzversorgung machen mußte.

Von Cancrin hatte daher folgende Überlegung : "Die Waldungen des Amts Bieber und des daran anstoßenden Amts Lohrhaupten enthalten Buchen-, Eiche-, Birken- und Aspenholz. Sie sind sehr groß und beträchtlich, zudem aber in jährliche Gehäue geteilt, so dass man in 40 Jahren wieder bei dem ersten Gehäue anfangen kann. Niemals also wird bei diesen Bergwerken ein wirklicher Holzmangel entstehen und so ist von der Seite für den Fortgang dieser Werke gesorgt." Dazu sei angemerkt, dass aus heutiger Kenntnis der Holzvorrat in der damaligen Zeit keineswegs sehr groß und beträchtlich war, sondern deutlich geringer als zur heutigen Zeit, es gab sogar Wälder, die stark übernutzt waren, nicht nur durch Holzeinschlag sondern durch Waldweide und Streunutzung. Aufgrund des Rückganges des Bieberer Bergbaues ist es ganz offensichtlich nicht zu dieser schematischen Einteilung der Wälder bei 40jährigem Umtrieb gekommen, so wie von Cancrin sich das vorgestellt hat. Die alten Waldbeschreibungen und die sonstigen noch vorhandenen Unterlagen über die Bieberer und Lohrhauptener Waldungen geben nur wenig Hinweise auf den Großverbrauch von Holz, wie ihn von Cancrin für die Zeit 1787 erwähnt. Der immer wieder zu verzeichnende Niedergang der Bieberer Gruben und die Einstellung der Hüttenwerke nach dem Bau der Schmalspurbahn von Gelnhausen hat die Wälder dann doch nicht so sehr in Anspruch genommen. Das war in anderen Bergbaugebieten ganz anders und hat dort schon viel früher als im Biebergrund dazu geführt, dass die heimischen Eichen- und Buchenwälder stark übernutzt und schließlich durch Nadelholzwälder ersetzt werden mußten.

Die Orber Saline hat zweifellos mit ihrem großen Holzverbrauch einen größeren Einfluß auf die Wälder gehabt als der Bergbau in Bieber. Das ist auch daran zu erkennen, dass die Wälder des damaligen Amtes Bad Orb (dazu zählen Bad Orb, Kassel, Wirtheim und der Joßgrund) noch heute einen wesentlich höheren Nadelholzanteil aus Kiefer, Lärche und Fichte aufweisen als die Wälder im oberen Biebergrund. Erstaunlicherweise geben die vorhandenen Waldbeschreibungen der Wälder im damaligen Amt Bieber und Lohrhaupten aus den Jahren 1633, 1734 und 1797 nur wenige konkrete Hinweise auf den Holzverbrauch durch die Bieberer Berg- und Hüttenwerke. In der Waldbeschreibung von 1633, d. h, während des 30jährigen Krieges, stand bezüglich der Verwendung des Holzes an erster Stelle das Kohlenbrennen, d.h. die Köhlerei. Auch wenn kein direkter Hinweis zu den Berg- und Hüttenwerken vorhanden ist, so ist doch anzunehmen, dass Holzkohle nicht nur für die ortsansässigen Schmieden und insbesondere die im oberen Biebergrund auch angesiedelten Hammerschmieden bestimmt waren, sondern auch zum Schmelzen der Erze. An zweiter Stelle wird der Holzverbrauch für die Glashütten erwähnt aber auch die Verwendung des Holzes aus den Wäldern des heutigen Reviers Röhrig insbesondere für die Orber Sudpfannen. Dies wird verständlich, wenn man sich daran erinnert, dass die Ämter Bieber und Lohrhaupten bis 1684 Kondominatsgebiete der Grafen von Hanau und des Erzbistums Mainz waren und Kur-Mainz darauf bedacht war, die zu seinem Territorium gehörenden Orber Salinen nachhaltig mit Holz zu versorgen

In der Waldbeschreibung von 1734 werden detaillierte Angaben gemacht über die Baumarten (Eichen, Buchen, Birken), das Alter (z. B. Eichenheister, Buchenstangen), den Waldzustand (krackelige oder alte abständige Eichen, untüchtiges Gehölz oder mit Birken, Wacholderbüschen und Ginster bewachsen), die Nutzung der Waldgebiete (konfus zur Glashütte gehauen, Schweinemast, gegen an die Herrschaft zu errichtendes Geld, ebenso Hute, Kohlholz für das Bieberer Kupfer- und Eisenwerk) die besondere Verwertung (Holländerstämme) und Mengen. In dieser Zeit nach dem lähmenden Kondominat mit Mainz und im Zeitalter des Merkantilismus waren die Herrschaften bestrebt, einen größeren Nutzen aus den Wäldern zu gunsten der Staatskasse zu ziehen. Dies geschah in dem man Konzessionen an Glashütten oder Pottaschesieder vergab, den inzwischen landesherrlichen (staatlichen) Bieberer Bergbau zielstrebig ausbaute und den Handel mit Holz mittels der Flößerei ausweitete. Erstaunlich ist in dieser Zeit die relativ seltene Erwähnung der Holznutzung für Glashütten und Bergbau. Berg- und Hüttenwesen waren ganz offensichtlich um 1734 noch recht bescheiden und das häufiger erwähnte "Kohleholz" war wohl auch vor allem für die Verhüttung der Bieberer Erze bestimmt. Aber zu der Zeit muß wohl den Landesherren in Hanau und den späteren Rechtsnachfolgern, den Landgrafen zu Kassel durchaus klar gewesen sein, dass zur Stützung des aufstrebenden Bergbaues und des Hüttenwesens die Holzversorgung von größter Bedeutung war.

Mit dem Aufbau der Hanauischen Forstverwaltungsorganisation hatte Bieber eine besondere Stellung, dem ersten Oberförster in Bieber (G.V. Bauer 1736 - 1754) unterstanden auch die damaligen Forstreviere Bieber, Flörsbach, Lohrhaupten, Rieneck und der sogenannte Reichschirm bei Gelnhausen. Der Spessartort Bieber als Sitz des Oberförsters war also durchaus mit Bedacht in Hinblick auf den bedeutendsten Erzbergbau des Spessart ausgewählt. Bergbau und Forstwirtschaft standen als Staatsbetriebe damals in enger Verbindung, denn die Metallschmelze verschlang große Mengen an Holzkohle und der Untertagebau brauchte Eichen-Grubenholz (Nadelholz gab es damals noch nicht in den Spessartwäldern). In der Waldbeschreibung in dem Exerzitien- und Lagerbuch von Bieber aus dem Jahr 1797 ist erstaunlicherweise kaum eine Holznutzung für die Berg- und Hüttenwerke erwähnt. Dagegen häufiger Waldweide und Streunutzung. Dies ist sicher das Ergebnis der nach dem 30jährigen Krieg und den Pestjahren in Verbindung mit dem aufstrebenden Bergbau stark angewachsener Bevölkerungszahl im oberen Biebergrund. Abschließend bleibt festzuhalten, dass der Bieberer Bergbau bis auf seine Blütezeit in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts doch offensichtlich nur bescheidene Ausmaße hatte und in Verbindung mit den häufigen Betriebsstillegungen zu keiner Zeit die Einflüsse auf die heimatlichen Wälder genommen hat, wie in anderen traditionellen Bergbaugebieten (Harz, Siegerland, Erzgebirge) mit Übernutzung der Wälder und frühzeitigen Nadelholzanbauten üblich war.

 

Quellen:

Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Biebergemünd e.V.
http://www.geschichtsverein-biebergemuend.de