Burgberg-Kapelle
" Droben stehet die Kapelle "

Dieses Lied kommt dem Wanderer sicher in den Sinn, wenn er den Spessartwald durchquert und bei Bieber auf der Höhe zwischen Burgberg und Galgenberg der Burgbergkapelle einen Besuch abstattet. Vieles weiß das kleine Kirchlein aus grauer Vorzeit zu erzählen.
Der Burgberg mit seinem Ringwall bot als Fliehburg für die Bewohner der Gegend, wenn feindliche Stämme einen kriegerischen Überfall machten, Schutz. Der Galgenberg war der Ort, an diesem der Missetäter der strafenden Gerechtigkeit überantwortet wurde.
An dem Standplatz der Kapelle befand sich vermutlich im heiligen Hain eine Opferstätte. Bei der Einführung des Christentums haben die Glaubensboten, den Platz für den Bau eines Altarraumes übernommen. Heute steht an der Stelle die Mauritiuskapelle, genannt nach ihrem Patron, dem heiligen Moritz.
Die Sage erzählt von der Gründung der Burgbergkapelle folgendes:
Vor vielen hundert Jahren stand auf der Spitze des Burgberges ein festes Schloß, das dem tapferen Ritter Mauritius gehörte. Einst lag Mauritius mit einem Raubritter im Kampfe, dessen Burg auf dem nahen Kerkelberg
stand. Von allen Seiten hatte er die Burg belagert, das Hauptlager der Feinde war im Läger, "einer Feldflur, am Fuße des Burgberges", aufgeschlagen. Mauritius sollte mit seinen Burgmannen ausgehungert werden. Lange Zeit konnte sich die Burg halten. Durch einen unterirdischen Gang konnten ihre Bewohner mit der nötigen Nahrung versorgt werden, bis den Feinden der geheime Gang verraten worden war. Nun stieg in der Burg die Not von Tag zu Tag. In Höchster Bedrängnis betete Mauritius zu Gott und gelobte, eine Kapelle zu bauen, wenn er vor den Feinden errettet würde.

Innenaufnahme von 1973
Tag und Nacht wurde nun in der Burg gearbeitet. Mächtige Sandsteine wurden behauen. Als im Morgengrauen dichter Nebel um die Burg lag, ließen auf ein verabredetes Zeichen die Burgbewohner die Mächtigen Steine ins Lager des Gegners sausen und vernichteten so den gänzlich überraschten Feind. Mauritius hielt sein Versprechen; Gott zu Dank für den Sieg baute er die Kapelle, die noch heute seinen Namen führt und Zeugnis ablegt von ihrem dankbaren Gründer. Das Kirchlein gilt als Wallfahrtskapelle und spielte schon im Mittelalter eine bedeutende Rolle.

Aus dem Sinn-, Joß- und Kahlgrund, aus Bad Orb und Lohr und aus dem Freigericht kamen Wallfahrer. Sein Turm lugt hervor zu dem Grün der Hecken der Wälder. Wie ein Finger zeigt er in den Himmel, ein Mahner zu ewigen Worten. Freudig überrascht begrüßt der Wanderer, der bei seinem Gang über die Höhe auf dieses Denkmal aus ältester Zeit stößt, das kleine Kirchlein. Es hat schon viele Menschen vorbeiwandern gesehen. Jahrhunderte führte hier die alltägliche Pflicht die Bergleute, die in Lochborn unter Tag ihr Brot verdienten, vorüber. Der Turm der Kapelle grüßt hinüber zur anderen Höhe der Spessartberge, über die vor langer Zeit Kriegsvolk und friedliche Kaufleute auf der Birkenhainer Straße Ihrer Wege zogen.
Heute werden in der Kapelle ab Mai vereinzelt Gottesdienste gehalten. Die Kapelle ist aber zu einem sehr beliebten "Ort" für Eheschließungen geworden. Jeder, der einmal vor der Kapelle stand, weiß auch warum.
Wer also einmal nach Bieber kommen sollte, darf sich auf keinen Fall diese Kapelle in ihrer einzigartigen Lage entgehen lassen.
Nahaufnahme des Torbogens
Quellen:
Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Biebergemünd e.V.
http://www.geschichtsverein-biebergemuend.de

