Abendmahlskelch und Patene aus Bieberer Silber

Der Bergbau auf das Brauneisenlager und das Kupferschieferflöz in Bieber, der für das Jahr 1494 erstmals urkundlich belegt, wahrscheinlich aber schon keltischen Ursprungs ist ging 1546 in das alleinige Eigentum der Grafen von Hanau über. Aber erst im letzten Drittel des 17. Jh. wurde der Betrieb wieder aufgenommen. Zahlreiche Gewerken versuchten danach ihr Glück mit mehr oder weniger Erfolg. Darunter befand sich auch eine siebenköpfige Hanauer Gewerkschaft, die der lutherischen Kirche zu Bieber im Jahre 1722 einen Abendmahlskelch mit Patene (Hostienteller) dedizierte. Diese wertvollen Meßopfergeräte, die vier Jahrzehnte lang als verschollen galten, wurden vor Jahren zufällig bei einer Dienstübergabe im Dekanat des Kirchenkreises Gelnhausen wieder entdeckt. Der Kelch zeigt einfache Barockformen und hat eine Gesamthöhe von 221 mm. Der Becher besitzt einen Durchmesser von 101 mm und eine Höhe von 75 mm. Der Fuß ist hohl getrieben und in seinen Abmessungen derart gestaltet, dass die Patene umgekehrt in ihn hineinpaßt; die Teile des Kelches sind vom Fuß her zusammengesetzt. Der Durchmesser der Patene beträgt 132 mm, auf ihrer Unterseite ist eine Beschriftung eingraviert, die für die historischen Wechselbeziehungen von Bergbau und Kunst von Interesse ist. Sie lautet :
HVNC CALICEM BIBRAE REDDVNT ECCLESIAE AMICI BIBRAE
EX ARGENTO QVOD DEDIT IPSE DEVS
(Diesen Kelch aus Bieberer Silber, das Gott selbst gegeben hat,
geben Freunde der Kirche zu Bieber zurück)
Eine Gravierung in der Mitte des Hostientellers gibt als Datum den l. März 1722 an, offensichtlich den Tag der ersten Ingebrauchnahme oder der Fertigstellung. Anhand der Beschau- und Meisterzeichen auf der Unterseite der Patene und auf dem Fuß des Kelches (das Hanauer Sparrenwappen und ein springender Fuchs) läßt sich feststellen, dass die Gegenstände von Johann Benedict Fuchs in Hanau angefertigt wurden. Fuchs war Guardian (Vorsteher), Silberschmied und Wardein (Münzprüfer) zunächst in der Altstadt, später in der Neustadt von Hanau, wo er 1747 verstarb.
Eine Eintragung im 2. Lutherischen Kirchenbuch von Bieber liefert weitere Hinweise auf die Geräte und ihre Entstehungsgeschichte, und sie erhellt gleichzeitig die damalige Situation des Bieberer Bergbaus. Darin heißt es, dass am 20. Dezember 1722 "der versprochene silberne Kirchenkelch" der Kirche "geliefert" worden ist. Bei den Stiftern handelt es sich um sieben "Herren und Frauen Gewercken, derer anfangs, da das Bergwerck aufgenommen und getrieben worden 42 derselben gewesen sind". Aber "allein aus Mißtrauen haben sich immer einige nach und nach absentieret, so dass deswegen das Bergwerck eine Zeitlang still gestanden doch endlich...fortgetrieben worden" ist. Zwar sind die Angaben zu den einzelnen Personen nicht sehr ausführlich gehalten, doch lassen sie recht aufschlußreiche Erkenntnisse über die soziale Zusammensetzung einer kleinen Gewerkschaft im ersten Drittel des 18. Jh. zu- ganz abgesehen davon, dass es sich immerhin bei zwei der sieben Gewerken um Frauen handelt: Philippina Elisabeta Fabricin von Westerfeld; Johann Valprecht Handwerck, Hochgräflich Hanauischer Regierungsregistrator; Justus Balthasar Schwer, Kauf- und Handelsmann; Susanna Christina Cottsellin; Meister Stephann Detterlein; Meister Joh. Adam Metz sowie Servas Reuß.
Der Pfarrer hatte 1722 weiter im Kirchenbuch eingetragen: " Der reiche Gott wolle diese sonderbahre und große Wohltat unserer Bibrer Kirche geschehen, allerseits Herren und Frauen Gewercken reichlich vergelten, hiesiges Bergwerck durch seine göttliche Gnade dermaßen segnen, dass sie bald nach Wunsch eine reiche ausbeute erlangen, und nicht allein zeitlich, sondern auch dort ewig gesegnet werden." Diese Hoffnung hat sich für die Betroffenen nicht erfüllt. Als im Jahre 1736 die Grafschaft Hanau durch Erbfolge an die Landgrafen von Hessen fiel, wurden das Silber-, Kupfer- und Bleibergwerk sowie das Eisenwerk von der Landesherrschaft selbst übernommen. Mit der Stiftung des Kelches und der Patene haben sich die Gewerken dennoch eine bleibende Erinnerung geschlaffen. Interessant wäre festzustellen, ob es an anderen Orten ebenfalls sakrale Gegenstände gibt, die durch ihre Inschrift ausdrücklich auf das Metall des heimischen Bergwerkes hinweisen, wie das in Bieber der Fall ist.
Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Biebergemünd e.V.
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