Glashütten, Aschesieden

Der Hauptwirkungsbereich der Spessarter Glasmacher war der heute bayerische Spessart. Vermutlich vom Kahlgrund ausgehend, breiteten sich die Waldglashütten nach Süden und Osten in das ehemals kurmainzische bzw. rieneckische Herrschaftsgebiet aus. Dort entstanden auch ausgesprochene Glasmachersiedlungen wie z.B. Heinrichsthal, Jakobsthal, Habichtsthal, Wiesthal, Ruppertshütten und Frammersbach. Bekannt sind im Spessart rd. 160 Standorte für Waldglashütten, wobei nur 3 auf die heutige Gemeinde Biebergemünd entfallen.

Die Gründe warum Waldglas im Spessart hergestellt wurde, waren das Zusammenkommen von:

  • dem Vorhandensein von Quarzsand,

  • der Möglichkeit der Pottaschegewinnung als Zuschlagsstoff,

  • dem reichlichen Vorhandensein von Holz als Energie und

  • das Vorhandensein von Wasser.

Der Quarzsand ist im Spessart als Verwitterungsprodukt des Buntsandsteins reichlich vorhanden und wird insbesondere in Bachbetten angeschwemmt.

Die Pottasche wurde als Zuschlagstoff zum Quarzsand benötigt. Sie wurde aus Holzasche gewonnen, wobei durch Auslaugen und ausglühende Holzasche nur eine ganz geringe Menge des ursprünglichen Volumens (etwa ein Tausendstel) gewonnen werden konnte. Die meiste Energie, die bei der Waldglasherstellung erforderlich war (80 bis 85 %), gingen auf die Pottaschenherstellung zurück.

Für die Herstellung von 1 kg Glas wurden damals ca. 1 Raummeter Holz benötigt. Die Waldungen im Biebergrund waren im 14. bis 18. Jahrhundert sehr viel vorratsärmer als heute. Der Holzbedarf einer einzigen Glashütte zur Herstellung von Pottasche und zum Heizen der Glasöfen betrug jährlich 2.000 bis 3.000 Festmeter Holz, was etwa einer Menge von 2.800 bis 5.200 Raummeter entspricht. Für eine Glashütte wurde somit jährlich der Holzvorrat von etwa 20 bis 30 ha Wald benötigt, so dass man in dieser Zeit von einem Raubbau im Wald sprechen mußte. Es ist somit auch verständlich, dass im Spessart nie mehr als 10 Waldglashütten gleichzeitig betrieben wurden.

Durch frühe Nutzungsregelungen (1510), Regelungen über die jährliche und wöchentliche Produktionszeit (Ostern bis Martini, nicht am Montag) die Lehrlingsannahme und die Produktionsbeschränkung (Bundesordnung der Glasmacher von 1406), vor allem aber auch durch die restriktive Siedlungspolitik der kurmainzer Erzbischöfe hatten sich die Waldglashütten nicht so verheerend ausgewirkt wie anderenorts. Im oberen Bieber- und Lohrgrund waren die Auswirkungen besonders gering, da die Glasmacher hier erst ab Ende des 17. Jahrhunderts in Erscheinung traten und schon 1750 ihr Gewerbe vollends aufgaben. Das wertvolle Waldglas wurde in Kiepen und auf Pferderücken über die Birkenhainer Straße und den Eselsweg zum Weitertransport auf den großen Handelsstraßen bzw. auf den Wasserwegen weiter transportiert.

Folgende Glashüttenstandorte im oberen Bieber- und Lohrgrund sind aus der damaligen Zeit bekannt:

  • bei Lützel, im Quellgebiet der Großen Roßbach

  • in der Büchelbach bei Bieber

  • am Glasborn unmittelbar an der Bundesstraße 276 zwischen Bieber und der Flörsbacher Höhe

  • in der Laubersbach unterhalb von Mosborn

  • am Hüttberg zwischen Kempfenbrunn und Lohrhaupten

  • in der Nähe der Ziegelhütte

Wenn man Glück hat, kann man noch einzelne Glasscherben als Ausschuß aus der früheren Glasproduktion auf dem Waldboden finden.

 

Quellen:

Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Biebergemünd e.V.
http://www.geschichtsverein-biebergemuend.de